Schon in der Antike wurde der Makedonenkönig Alexander als "der Große" bezeichnet. Mit diesem Beinamen sollte er, wie der römische Kaiser Konstantin (275 – 337), der Frankenkönig Karl (747 – 814) und der preußische König Friedrich II. (1712 – 1786), als ein gro­ßer Akteur der Weltgeschichte gerühmt werden (nicht dagegen Augustus und Napo­leon!). Eine solche Einschätzung der Leistung und Wirkung einzelner historischer Personen scheint heutzutage wenig aktuell zu sein: Sehen wir doch in der Geschichte vor allem gesellschaftliche Verhältnisse, wirtschaftliche Prozesse und kollektive Mentalitäten am Werk, die das Handeln der Menschen eingrenzen und bestimmen. Andererseits hat die Wahl Barack Obamas 2008 zum Präsidenten der größten Weltmacht der Gegenwart wieder deutlich gemacht, welche hohen Erwartungen sich noch heute weltweit auf eine einzige "Lichtgestalt" richten können und welche Kraft der umfassenden Veränderung man dem Hoffnungsträger zutraut.

Alexander hat die antike Welt wie kein an­derer verändert. Vor ihm hatten die Völker des "Westens" und des "Ostens", des östlichen Mittelmeerraums und Mesopotamiens, in einer spannungsvollen, aber ausgeglichenen Balance miteinander gelebt. Die Perser beherrschten den gesamten Vorderen Orient, ließen aber die alten Kulturen der Babylonier, des pharaonischen Ägyptens, der Phönizier an der Levante bis hin zu den Phrygern und Lydern im westlichen Kleinasien in ihren Traditionen bestehen. In Griechenland wiederum hatte sich die kleinteilige Welt der autonomen Stadtstaaten zu immer größerer politischer und kultureller Vielfalt entwickelt. Alexander hat alldem mit einem Schlag ein Ende gemacht …